Tastatur gesucht

Seit Tagen suche ich nach einer guten Tastatur, um mit der optionalen Docking-Station einen vollwertigen PC aus dem Surface Pro 3 Machen zu können. Da ich öfter längere Texte tippe sollte die Tastatur robust, langlebig, ergonomisch und zuverlässig sein. Da der Arbeitsplatz zu Hause in den nächsten Wochen ins Wohnzimmer umzieht, sollte die Tastatur zudem noch leise (beim Tippen) sein, ein halbwegs formschönes Design haben. Optional beleuchtete Tasten wären auch noch schön, da wir eher eine gemütliche indirekte Beleuchtung am Abend bevorzugen als grelle Festbeleuchtung. Mein Plan war auch nicht mehr als 60 Euro dafür zu investieren, doch nach längerer Suche bei diversen Händlern im Netz, werde ich diesen Plan wohl aufgeben müssen. Versuchte ich alle Kriterien bei der Suche einfließen zu lassen, bekam ich keine wirklich aussagekräftigen Ergebnisse. Also musste ich einen anderen Weg der Suche einschlagen. Erst einmal die Kriterien priorisieren – was ist wichtig, was essentiell und worauf könnte ich eventuell verzichten?

Wie gesagt, das Budget habe ich erst einmal komplett außen vor gelassen. Da mir Zuverlässigkeit und Funktionalität wichtiger sind als andere Dinge (wie Design oder Marke), habe ich begonnen in Netz zu recherchieren, wie bzw. woran (für alle, die mit dem Wort nichts anfangen können: „woran“ ist das Wort für die Bedeutung von „ an was“) man eine gute Tastatur erkennen kann.

Beginnen wir mit dem Anschluss der Tastatur – Kabel oder Kabelfrei? Meist scheint eine kabellose Tastatur optisch schöner und flexibler, jedoch leidet die Zuverlässigkeit. So geben die Batterien grundsätzlich dann auf, wenn man gerade einen guten Gedanken hat und die Texte nur so fließen – so will es Murphy’s Gesetz. Des weiteren ist die Übertragung per Funk – egal ob Bluetooth oder RF (Radio-Frequenz) – nicht immer problemfrei. Bei Bluetooth-Tastaturen bricht öfter mal der Funkkontakt ab, wenn man den Rechner aus dem Tiefschlaf holt. Das passiert – auch wenn es einige nicht hören wollen – selbst bei den neueren Apple-Tastaturen. Ich hab das selbst einige Male am iMac erlebt. Aber auch die RF-Keyboards sind nicht gegen Störungen gefeit. Zudem gibt es inzwischen so viele Funktastaturen, dass die Wahrscheinlichkeit von Störungen durch fremde Geräte zunimmt. Also fällt bei mir die Wahl auf eine kabelgebundene Tastatur – weil Zuverlässigkeit die höchste Priorität hat.

Neben der Zuverlässigkeit sind natürlich die Tasten und deren Technologie der Tastatur selbst ein wichtiges Merkmal, denn sie bestimmen den Schreibkomfort und teilweise auch die Ergonomie. Es gibt grundsätzlich drei Arten von Tastatur-Tasten. Die günstigste Variante sind die sogenannten Rubber-Dome-Tasten. Hier werden die Tasten auf eine Gummiauflage gedrückt, die ihrerseits auf eine (gedruckte) Leiterplatte gedrückt wird. In vielen Fällen sind die Tasten bzw. die Tastatur selbst komplett aus Gummi und können so noch billiger produziert werden. Ergonomisch sind diese Tastaturen am unteren Ende der Messskala angesiedelt, da hier erst eine Art Druckpunkt beim Tippen der Tasten zu spüren ist, wenn die Taste selbst bis zum Boden bzw. auf die Leiterplatte gedrückt wird. Diese Tastaturtechnologie fällt für mich komplett aus der Auswahl raus, ebenso wie die Tastaturalternative der Projektionstastaturen, bei denen ein Tastatur-Layout auf den Schreibtisch (oder wohin auch immer) per LED und Infrarot projiziert wird. Hier trommelt man mit den Fingerkuppen quasi auf einen speziell beleuchteten Bereich des Schreibtisch – keine Alternative für mich.

Eine weiter Technologie bei den Tasten sind die sogenannten Scissor Switches. Auch hier werden die Tasten auf eine Leiterplatte gedrückt, allerdings ist hier noch eine Mechanik vorhanden, die Ansatzweise das Gefühl von Ergonomie geben. Diese Art von Tastaturen werden bedingt durch die Möglichkeit der sehr flachen Bauweise (und der recht preisgünstigen Produktion) meist in Note-, Net- und Ultrabooks eingesetzt. Die bekannteste Tastatur dieser Bauart, ist mit Sicherheit das Apple-Keyboard gefertigt aus Aluminium. Da ich diese Tastatur seit einigen Jahren (mehr oder weniger gezwungenermaßen) nutze, sind auch Tastaturen dieser Technologie bei mir aus dem Rennen.

Bleibt nur noch die gute alte Tastatur mit mechanischen Tasten. Hier werden eben keine Gummiauflagen oder –membranen auf eine Leiterplatte gedrückt, sondern hier hat jede Taste einen eigenen mechanischen Taster. Vorreiter sind die Cherry MX Tastaturen bzw. deren Prinzip. Laut einer Marktanalyse sollen bis zu 95% der mechanischen Tastaturen nach diesem Prinzip gebaut werden. Bedingt durch die Bauart haben diese Tastaturen allerdings einen längeren Tastenweg. Allerdings muß die Taste nicht wie bei den bisher erwähnten Technologien bis zum Anschlag durchgedrückt werden, was, bedingt durch die schnellere Reaktion der jeweiligen Taste beim Tippen, der Ergonomie zu Gute kommt. Es gibt vier unterschiedliche Varianten bei den Cherry MX Tasten: braun, blau, rot und schwarz. Diese Farben beschreiben den unterschiedlichen Druckpunkt bzw. Gegendruck, die die jeweiligen tasten beim Tippen ausüben. Die braunen und blauen Varianten sind die beliebtesten, da sie einen meist spürbaren Druckpunkt bzw. einen leichten Anschlag haben. Die brauen Tasten haben diesen Druckpunkt nicht ganz so spürbar, wie die blauen Tasten, die einen hörbaren und wirklich fühlbaren Anschlag haben. Der Vorteil den die braunen Tasten dadurch bieten ist eine leises ergonomischen Tippen, denn die Tasten geben sehr wenig Eigengeräusche beim Betätigen von sich.

Die roten und schwarzen Tasten der Cherry MX Technologie haben diesen erkennbaren Druckpunkt nicht, sondern hier wird der Widerstand bei zunehmenden Druck höher – bei den schwarzen noch mehr als bei den roten. Diese Tasten-Technologien sind bei Gamer äußerst beliebt, da diese häufig Tasten für längere Zeit gedrückt halten müssen. Daher hat sich für mich herauskristallisiert, das ich eine Tastatur dieser Technologie erwerben sollte – wahrscheinlich mit braunen ggf. aber auch die roten Tasten. Das muß noch ein Live-Test ergeben.

Es gibt aber auch noch einige andere Dinge, die bei einer Tastatur beachtet werden sollten – z.B. das Layout. Brauche ich eine Tastatur mit Zehnerblock oder mit vielen Sondertasten für Mediaplayer oder Systemfunktionen? Diese Fragen stellen sich bei mir nur nebenbei, da sich die Auswahl durch die anderen Kriterien in Grenzen hält. Letztlich sind bei der Suche nach Cherry MX-brown-Tasten nicht mehr allzu viele Keyboards übriggeblieben. Unter Berücksichtigung aller Aspekte bleiben kaum mehr als eine Handvoll Tastaturen zur Auswahl. Favoriten sind daher entweder die Roccat Ryos MK Pro oder die Roccat Ryos TKL Pro, die mehr oder weniger identisch mit der MK Pro ist nur keine Zehner-Tastaturblock hat. Allerdings liegt auch hier der Preis in etwas anderen Bereichen, als es der Plan ursprünglich vorgesehen hat und ich kann mich nicht durchringen . Die MK Pro liegt bei ca. 170 Euro, die „kleinere“ TKL Pro bei immer noch 140 Euro. Andere Alternativen sind dann meist zu ähnliche Preisen zu haben oder aber haben leider andere Makel, wie Lieferengpässe bei den Händlern, Tastatur-Layouts, die ich nicht nutzen möchte oder aber ein dermaßen überzogenes Design, welches dann eher zu Hardcore-Gamern paßt, aber nicht zu einem einfachen Schreiberling … und ich könnte sowas auch NIE meiner Frau erklären.

Roccat Ryos MK pro

Roccat Ryos MK pro

Fazit: Wenn alles so einfach wäre wie ein Surface Pro 3 zu kaufen, hätte ich auch schon eine vernünftige Tastatur. So aber brauche ich noch etwas Zeit und Muße, um mich zu entscheiden.

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Gastautor, Redakteur und Querkopf

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