Wie in alten Zeiten

… so habe ich mich gefühlt, als ich in den letzten Tagen mal wieder im Harz war – und das ist in diesem Fall mal nicht positiv gemeint.

Wir waren ja die letzten Jahre (seit 2003, mit Ausnahme von 2008) immer mal wieder – mal mehr, mal weniger – Besucher im Harz. Ein schönes Fleckchen Erde dort unten an der Bode, gleich hinter der Talsperre. Bei den ersten Besuchen, war die Wiedervereinigung „erst“ gute 10 Jahre vorüber und man hat den alten Geist der DDR immer noch recht stark wahrgenommen. Mit den Jahren kam dann auch so nach und nach der Gedanke der Marktwirtschaft in die Köpfe der Leute und man konnte nicht nur die Natur, sondern auch ein wenig Service genießen. Das übliche Gejammer von zu wenig Umsatz, zu hohen Kosten, zu wenig Gästen und dergleichen wurde dann irgendwann zum Hintergrundrauschen und verlor sich in Plätschern der Bode.

Leider blieben aber auch die Nachteile der Marktwirtschaft nicht aus. So wurde durch Lobbyarbeit der ein oder andere Gastwirt in den Ruin getrieben, was auch dazu führte, dass wir uns eine neue Teilzeitbleibe – sprich: Pension – suchen mussten. Mehr als vier Jahre eine nette Bleibe für ein paar Tage.

Rückblickend betrachtet hat der Service und die Qualität über die Jahre nachgelassen, aber immer nur in minimalen Schritten, so dass die kleinen Abstriche im allgemeinen Service und Umgang mit den Gästen nicht weiter auffiel. Die Pension war immer öfter immer besser besucht und man fühlte sich wohl. In diesem Jahr kamen dann aber die Auswirkungen davon zum Vorscheinen. Man war anscheinend satt und führte mal eben einen Ruhetag. Kann man eventuell verstehen – aus Sicht des Wirtes. Aus Sicht des Gastes bedeutet das jedoch, das an diesem die Küche kalt bleibt bzw. man außer einem gewöhnlichem Frühstück nicht mehr in der Pension zu essen bekommt.

Das scheint auf den ersten Blick nicht unbedingt gravierend. Betrachtet man jedoch die Lage und das Hauptbesucherklientel, kommt man zu etwas anderen Blickwinkeln auf die Angelegenheit. Die Pension selbst liegt an einem Hang, oberhalb der eigentlichen „stillen Ortes“ und ist nur durch eine steile Treppe bzw. eine sehr steile Zufahrt (oder eine ca. 3 km lange nicht ganz so steile Straße) zu erreichen. Das Besucherklientel sind hauptsächlich Leute jenseits der 60. Der 500-Seelen-Ort bietet dann auch nur knapp zwei Alternativen, um Abends doch noch etwas gesittet Essen gehen zu können. Die Auswahl ist also begrenzt und man ist auf ein Auto oder gutes Schuhwerk angewiesen. Da man aber immer im Hinterkopf den Aufstieg für den Rückweg im Kopf hat, ist der Abend so oder so gelaufen, denn schönsaufen kann man sich die Situation auch nicht.

Alles in allem merkt man das der Gedanke der Marktwirtschaft nur teilweise verstanden wurde, denn wenn man sich auf den Lorbeeren der vergangenen Tage ausruht, muss man sich nicht wundern, wenn man kurze Zeit später wieder von vorn beginne kann. Ich könnte es ja teils verstehen, aber nicht wenn das Haus komplett ausgebucht ist. Keiner der Gäste konnte nachvollziehen, warum der Gastraum und die Küche komplett dicht gemacht wurden für diesen einen  Ruhetag. Kein Gedanke um das Wohlergehen der Gäste … so wie in den „guten alten Zeiten“ vor der Wiedervereinigung, die in den Gedanken der Leute dort immer noch stark präsent ist.

Wir haben beschlossen, uns für die nächsten freien Tage einen neuen Erholungsort zu suchen – einen, in dem der Begriff Marktwirtschaft verstanden wurde und Service höhere Priorität hat als ein Ruhetag. Es ist doch nichts Neues: Tourismus hängt nun mal (leider) von den Besuchern ab und nicht vom persönlichem Empfinden der Wirte und deren Personal.

Vielleicht habt ihr ja mehr Glück oder eine andere Einstellung, aber ich kann für meinen Teil auf einen Urlaub in der DDR verzichten …

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Gastautor, Redakteur und Querkopf

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