Der letzte Bankier

Als ich heute einen Blick in die Wikipedia warf, fiel mir ein Name in der Liste der kürzlich Verstorbenen auf

Ludwig Poullain (95), deutscher Bankmanager († 10. Februar)

Zuerst dachte es sei ein weiterer krimineller Weggefährte solcher Herren wie Klaus Zumwinkel oder Josef Ackermann, aber mit 95 Jahren ist er doch um einiges älter und wesentlich weiser als vorgenannte Herren.

Trotzdem war meine Vermutung korrekt – er war ein krimineller Bankier. Er wurde zwar in allen Anklagepunkten freigesprochen, aber wie es selbst formulierte

 … zwar vom Kadi freigesprochen, dann jedoch meinem eigenen Urteilsspruch unterworfen. Ich hatte gefehlt. Und ich fand es gerecht, daß ich dafür meinen Tribut zu zollen hatte. …

Warum ich es für erwähnenswert halte auf den Tod von Ludwig Poullains hinzuweisen?

Es sieht so aus als ist der Beruf des ehrbaren Bankiers mit ihm ausgestorben. Sein Verdienst ist nicht, dass er die Sparkassen und Landesbanken geführt und geprägt hat, ich denke sein Verdienst liegt in der „Ungehaltene(n) Rede eines ungehaltenen Mannes„. Diese Rede, ursprünglich als Vortrag „Banken und Ethos“ zur Verabschiedung des Vorstandschefs der Norddeutschen Landesbank Manfred Bodin geschrieben, wurde kurzfristig abgesagt, nachdem der Inhalt mit zahlreichen Kritikpunkten am bestehenden deutschen Bankwesen bekannt geworden war.

Wenige Tage danach veröffentlichte die Frankfurter Allgemeine Zeitung am 16. Juli 2004 diese ungehaltene Rege unter dem Titel „Sittenverfall im Bankwesen“.

Die Rede selbst ist in meine Augen ein Meisterwerk der Artikulation, zeigt sie nicht nur mit Humor und Selbstironie, sondern auch mit Sachverstand und Kritik den Verfall von Moral und Ethos in Politik und Wirtschaft am Beispiel des Bankwesens.

Ich kann Euch nur nahelegen die 10 bis 20 Minuten Zeit zum Lesen zu investieren, denn es ist Entertainment und Fachartikel in einem.

Bleibt mir nur noch den Hut zu ziehen, vor dem letzten der echten Bankiers.

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Gastautor, Redakteur und Querkopf

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